Letztens hat eine Bekannte angerufen. Nichts Ungewöhnliches eigentlich, aber sie bat mich darum, ihrem Kind ein paar Tipps und Antworten fürs Studium zu geben. Das hat mich zunächst einmal sehr überrascht, denn ich fühle mich als ganz normale durchschnittliche Studentin. Niemand, der Weisheiten verbreiten kann. Trotzdem stimmte ich zu und stellte fest: die Fragen, die sich anscheinend viele Abiturienten und Oberstufenschüler stellen, sind nicht sehr kompliziert. Dieses Gespräch lieferte mir die Idee, den jüngeren Lessen unter euch, die jetzt vor Entscheidungen stehen, ein paar Erfahrungen rund ums Studium zu erklären.

Fleißiges Bienchen - Mandelblüte

  1. Es ist normal und überhaupt nicht schlimm, dass ihr in der 10. Klasse noch keinen Plan habt, wo euch eure Zukunft hin verschlägt. Die Wenigsten wissen, was sie später machen wollen und bei diesen Glücklichen entscheidet sich die Hälfte dann doch ganz anders. Keine Panik, auch wenn die Schulen euch schon auf Jobmessen und Zukunftsberatungen schleppen.
  2. Thema Jobmessen: Schaut euch um. Auch bei Jobs, die ihr zum jetzigen Zeitpunkt nie im Leben machen wollt. Wer weiß, vielleicht erinnert ihr euch in zwei, drei Jahren an das Gespräch an genau diesem Beratungsstand und thadaaa – vielleicht doch das Richtige? Schon klar, auch ich bin mit dem Ziel auf diese Messen gegangen worden, möglichst viele Kullis abzugreifen. *hrhr*
  3. Traut euch, über den Tellerrand zu schauen! Natürlich kennt man die klassischen Jobs, die einen im Alltag umgeben. Aber es gibt so viel mehr! Traut euch, auch ungewöhnliche Dinge in Betracht zu ziehen, die andere Wege erfordern, als das klassische Studium.
  4. Thema Lehramt: Wenn euch halt nichts Besseres einfällt, als Lehramt – lasst es bleiben. Ihr werdet garantiert noch das Richtige finden, denn Lehramt ist kein Notlösungsstudium! Dies ist einer der wenigen Studiengänge, bei dem ihr (meist) auf eben dieses eine Ziel festgelegt seid: Unterrichten. Lehrer haben einen der wenigen Jobs heutzutage, den sie bis zum bitteren Ende ausüben. Ungefähr 40 Jahre. Jeder hatte diese Lehrer in der Schule, die dort offensichtlich falsch waren. Ruft euch das in Erinnerung.
  5. Nehmt euch Zeit zur Entscheidung. Ihr müsst nicht gleich einen Monat nach dem Abi in der Uni sitzen. Wenn ihr ein halbes Jahr Zeit habt: Nutzt es! Es gibt unendlich viele Dinge, die nach dem Studium einfach nicht mehr möglich sind. Sei es nun ein FÖJ oder FSJ, oder eine Weltreise (vorher Sparen!), oder Travel & Work, oder, oder, oder. Lasst euch nicht von der Angst abhalten, dass ihr sowas nicht könnt. Oder von Leuten, die euch in einen möglichst geraden Lebenslauf drücken wollen. (Ich sage nur: BESTE ZEIT EURES LEBENS)
  6. Ihr habt jetzt euren Traumjob gefunden und wollt loslegen mit dem Studium. Aber die Note passt nicht zum NC. Doofe Sache, aber es gibt Wege, um seine Note zu pushen. Das Wartesemester ist dafür die gängigste Art. Natürlich muss man währenddessen nicht tatenlos rumsitzen!  Freiwilligendienst, Ausland, Praktika, Ausbildung: Sehr viel ist möglich, um diese Zeit trotzdem zu nutzen.
  7. Es gibt gewisse Ausbildungen und Studiengänge, von denen euch gleich zu Beginn abgeraten wird. Keine Jobchancen: „Da kann man gleich HarzIV studieren.“ Lasst euch von sowas nicht abschrecken. Wenn genau das der Traumberuf ist, dann werdet ihr ihn machen, denn ihr werdet darin gut sein. Außerdem ändern sich solche Prognosen alle fünf Jahre, deshalb kann es wieder ganz anders aussehen, bis ihr fertig seid. Trotzdem: Behaltet immer einen Alternativplan im Kopf. Manchmal kann es dauern, bis man im Traumjob angekommen ist.
  8.  Zieht nach ein oder zwei Semestern Resümee. Wenn ihr euch für die Uni und einen Studiengang entschieden habt – nach Bauchgefühl oder nach gründlicher Recherche: Super! Aber ist es das das Richtige? Wollt ihr das noch bis zu zehn Semester weiter machen, und danach auch? Wenn nicht: KEIN PROBLEM! Gesteht es euch ein und wechselt. Entweder den Studiengang oder vielleicht doch eine ganz andere Richtung der Ausbildung. Das macht überhaupt nichts. Auch ich habe mir eingestehen müssen, dass ich zunächst das Falsche gewählt hatte – und bin mit meinem Wechsel mehr als Glücklich!
  9. Packt euch am Anfang nicht zu voll. Endlich seid ihr jetzt in der Uni angekommen. Das erste Semester ist sehr aufregend und vieles ist neu.  In manchen Studiengängen stellt man sich seinen Stundenplan selbst zusammen – wenn das so ist, achtet darauf, dass ihr das erste Semester auch genießen könnt! Ihr knüpft neue Kontakte, müsst euch orientieren und mit einem Lernpensum zurecht kommen, das weit über Schulniveau liegt. Lasst es also lieber langsam angehen, damit die Motivation nicht gleich im ersten Semester flöten geht!

Mandelblüte - Frühling


Ich weiß, es gibt noch viele andere Wege als die Uni, um zum Wunschjob zu kommen. Wie erwähnt, kann ich euch nur empfehlen auch diese in Betracht zu ziehen. Dass sich meine Tipps um die Uni drehen liegt daran, dass ich selbst Studiere und mich damit nunmal am Besten auskenne. Ich hoffe, ich konnte euch vielleicht ein klitzekleines Bisschen helfen, denn hier gilt: alles eigene Meinung und eigene Erfahrung und nicht universell anwendbar! Diese Punkte sind zwar keine neuen Weisheiten und für Studenten nichts Neues, aber für viele Schüler schon. Gerade weil die Erstis inzwischen immer jünger werden, ist der Sprung ins kalte Wasser nicht einfacher geworden. Mal davon abgesehen, gibt es auch tausende andere Wege. Vielleicht passt für euch auch der gerade Weg, ohne Umwege und „Zeitverschwendung“. Wenn es aber nicht gleich so klappt wie geplant: macht euch keine Sorgen, das tut es bei den Wenigsten.

Mandelblüte - Spring